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Schrauber-Lektionen

Passat Komplettservice

Für Fortgeschrittene: Ich zeige dir, wie du deinen Wagen fit für den Sommer machst.

Im Sommer sieht man wieder mehr Old- und Youngtimer auf der Straße. Verständlich – Ausfahrten machen erst bei gutem Wetter richtig Spaß. Auch ich freue mich darauf, den Wagen nach dem langen Winter zu bewegen. Was vor der ersten Fahrt alles ansteht zeige ich dir an meinem Passat B3, Baujahr 1991.

„Wer sein altes Auto liebt, macht vor der ersten Zündung nach der Überwinterung einen Öldruckstart.“


Mike The Mechanic Logo

Ein Auftrag für Mike the Mechanic

“An meine Haut lasse ich nur
LIQUI MOLY und MANNOL.”


Schwierigkeitsgrad: Fortgeschrittene

Die Stolpersteine: Neben dem richtigen Werkzeug brauchst du auch ein wenig Fingerspitzengefühl. Nimm dir also die nötige Zeit und gehe die Sache ohne Eile an. So lassen sich viele Fehler vermeiden.

Die Gefahren: Zuviel Kraft ist keine Lösung: Zu viel Drehmoment an den Schrauben kann das Gewinde zerstören. Die Folge sind massive Schäden an Ölwanne und Ölfilterflansch. Und auch beim Anheben des Wagens ist Vorsicht geboten. Setzt du den Wagenheber nicht an der richtigen Stelle an, beschädigst du leicht Karosserie und Chassis.

Weitere Dinge, die du wissen musst: Zu wenig Motoröl im Wagen führt zu Motorschäden. Kontrolliere deshalb lieber doppelt, ob noch genug da ist.


Das Material

Material:


Die Arbeitsschritte

0. Alles vorbereiten

Dies ist quasi Schritt Null: Ehe du anfängst du schrauben, bereite alles vor. Fehlt noch etwas? Wenn das Werkzeug komplett und alle Materialien vorhanden sind, kann es auch schon losgehen.

Das Schmuckstück, an dem wir heute schrauben, ist ein Passat B3 35l mit 174 PS, Baujahr 1991. Der Motor ist ein VR6 2,8L.

Kleine Geschichtslektion: Diese Mischform aus einem Reihen- und V-Motor hatte ihren ersten Auftritt 1991 im Passat B3. Der Motor ermöglicht viele Zylinder auf begrenztem Raum.

Ein Teil des Materials für den Passat Komplettservice

1. Ölstand kontrollieren

Öl ist lebenswichtig für einen Motor. Wer den Ölstand nicht regelmäßig kontrolliert, riskiert einen zu niedrigen Ölstand und damit Schäden am Motor. Deshalb ist dies auch der erste Schritt nach der Winterpause.

Der ideale Zeitpunkt zum Messen ist, wenn der Motor warm ist, aber der Wagen schon einen Augenblick steht. Dann konnte sich das Öl komplett in der Ölwanne sammeln. Öffne die Motorhaube, ziehe den Ölmessstab heraus und wische ihn mit einem sauberen Tuch ab. Achte darauf, dass dabei keine Fusseln hängenbleiben. Stecke ihn wieder vollständig zurück, ehe du ihn ein zweites Mal herausziehst.

Nun kannst du genau ablesen, wie es um deinen Ölstand bestellt ist. Der Messstab hat eine Minimal- und eine Maximalmarkierung; dein Ölstand sollte sich dazwischen befinden.

2. Batterie anklemmen

Im letzten Jahr habe ich den Wagen fit für den Winter gemacht und dabei die Batterie abgeklemmt. Jetzt muss sie natürlich wieder angeklemmt werden. Dies ist auch der richtige Zeitpunkt, um das Batteriefach und die Polklemmen auf Korrosion und Flugrost zu prüfen. Schmutz an den Klemmen erhöht die Übergangswiderstände und führt so schnell zu Fehlfunktionen.

Die eingesetzte Batterie muss natürlich perfekt sitzen. Im Handbuch des Fahrzeugs kannst du nachlesen, wie viel Drehmoment für die Arretierung nötig ist. Wenn soweit alles sitzt, kannst du jetzt die Kabel anklemmen. Dabei ist die richtige Reihenfolge sehr wichtig: Befestige zuerst das rote Pluskabel am positiven Pol. Danach ist das Minus- oder Massekabel am negativen Pol dran.

„Merke:
Abklemmen: Erst Minus, dann Plus.
Anklemmen: Erst Plus, dann Minus.“ 

Mike the Mechanic

3. Öldruckstart durchführen

Dieser Schritt ist nicht nötig, aber sinnvoll bei einem alten Auto, das einige Monate gestanden hat. Zumindest dann, wenn dir etwas daran liegt und du noch lange Freude daran haben willst.

Betätige den Anlasser – also starte den Wagen ohne Zündfunken – und warte, bis sich etwas Öldruck aufgebaut hat. Nimm dafür den Zündverteiler von der Zündspule und starte mindestens 3x 10 Sekunden ohne Zündung. Danach steckst du den Zündverteiler wieder auf die Spule. Auf diese Weise sorgst du dafür, dass schon bei der Zündung des Motors genügend Öl im Motorraum ist.

Öldruckstart durchführen

4. Motorspülung durchführen

Bei älteren Fahrzeugen ist eine Motorspülung sinnvoll, um die Verunreinigungen aus dem Motor zu entfernen. Ich verwende dafür die LIQUI MOLY Pro-Line Motorspülung. Sparsamkeit ist hier nicht angesagt, es muss die ganze Dose in den Motor. Lass den Motor danach 10 Minuten im Leerlauf laufen.

„Wichtig: Keine hohen Drehzahlen! Das führt zu Schäden am Motor!“ 

Mike the Mechanic

Vergiss nicht den Kübel, denn das Öl muss nun mit den gelösten Verschmutzungen auch wieder abgelassen werden.

Motorspülung durchführen

5. Wagen anheben

Nun geht es in (beinahe) luftige Höhen. Hebe Deinen Wagen per Hebebühne oder Wagenhebern an. Damit es nicht zu Schäden an der Karosserie oder Chassis kommt, musst du das Auto an den richtigen Punkten anheben. Sie sind mit kleinen Einkerbungen markiert.

Wagen anheben

6.1. Erste Ölablassschraube lösen

Nun geht es ans Eingemachte, beziehungsweise an das alte Öl. Löse die erste Ölablassschraube.

Wichtig: Erste eine Wanne oder einen Eimer unterstellen, dann die Schraube lösen. Sonst stehst du gleich in einer Öllache.

Lösten der ersten Ölablassschraube

6.2. Öl ablassen

Das alte Öl läuft ab. Zum Glück hast du rechtzeitig einen großen Eimer bereit gestellt.

7.1. Zweite Ölablassschraube lösen

Am Ölfilterdeckel befindet sich die zweite Ölablassschraube. Öffne sie mit einem 6mm Innensechskant-Schlüssel, damit du das Öl ablassen kannst.

Auch hier gilt: Erst den Eimer bereitstellen, dann die Schraube lösen.

Zweite Ölablassschraube lösen

7.2. Öl ablassen

Auch hier sollte das Öl ohne Probleme ablaufen. Bis wirklich alles raus ist kann es einen Moment dauern.

Nochmals Öl ablassen

8. Ölfilterdeckel abnehmen

Zum Ölwechsel gehört auch der Ölfilterwechsel. Der alte Ölfilter hat ausgedient, es wird Zeit für einen neuen. Halte auch hier einen Auffangbehälter bereit, da sich auch im Filter noch Öl befindet.

Während das Öl abtropft, nimmst du dir auch gleich den Ölfilterdeckel vor.

„Je nachdem, wie verdreckt er ist, kannst du ihn mit Bremsenreiniger oder Motorkaltreiniger säubern. Sprühe aber nicht das Gewinde damit ein, sondern gibt den Reiniger auf ein Tuch.“

Mike the Mechanic
Ölfilterdeckel reinigen

9. Öldichtring wechseln

Am Ölfilterflansch befindet sich ein Dichtring, der seinen Dienst getan hat und nun gewechselt wird. In der Regel ist ein Ersatz beim Kauf eines neuen Ölfilters im Lieferumfang enthalten.

Öldichtring wechseln

10. Neuen Ölfilter einsetzen

Nachdem du eben den alten Ölfilter entfernt und den Dichtring ausgetauscht hast, setzt du nun den neuen Ölfilter ein.

11. Ölfilterdeckel zudrehen

Wenn du hier nur mit viel Kraft weiterkommst, läuft etwas schief. Überdrehe das Gewinde nicht, um es nicht zu beschädigen. 25Nm sind ausreichend, um den Ölfilterdeckel zuzudrehen.

Ölfilterdeckel zudrehen

12. Neue Ölablassschraube festschrauben

Das Öl ist endlich abgetropft? Dann schraube die Ablassschraube wieder fest. Drehe sie erst handfest und ziehe sie dann mit 30 –  50Nm fest. Nutze dafür die 19 mm ⅜” Sechskant Stecknuss.

neue Ölablassschraube

13. Ölwanne reinigen – Außenreinigung

Jetzt ist ein wenig putzen angesagt. Reinige die Ölwanne von außen mit Bremsenreiniger. Du musst dich nicht darin spiegeln können, aber die Ölrückstände sollten restlos entfernt sein.

14. Neues Öl nachfüllen

Nach einem Ölwechsel mit Filterwechsel gehören etwa 5,5 – 6 L neues Motoröl in den Wagen. Hier kommt es auf die richtige Menge an. Am besten ist es, das Öl mit der Ölkanne abzumessen und dann mit einem Trichter einzufüllen.

„Viel hilft nicht viel! Zu viel Öl schadet dem Motor ebenso wie zu wenig Öl!“

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Das neue Öl wird eingefüllt

15.  Ölstand kontrollieren

Nicht erschrecken, wenn der Ölstand als zu hoch angezeigt wird. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn der Motor noch nicht gelaufen ist. Der richtige Ölstand kann erst erfasst werden, wenn sich das Öl mit der Zündung im Motorraum verteilt hat.

Zünde deshalb den Motor und lasse ihn eine halbe Minute laufen. Prüfe jetzt den Ölstand. Er sollte sich am Ölmessstab an der Halbmarkierung befinden.

16. Wagen ruhen lassen

Lass den Wagen 5 Minuten ruhen, damit sich das Öl sammeln kann. Für einen Kaffee reicht die Zeit nicht ganz, aber du kannst schon einmal alles für die nächsten Schritte bereitlegen.

17. Benzinfilter wechseln

Nun geht es an den alten Kraftstofffilter. Du findest ihn hinten rechts am Wagen, wo er mit Kreuzschrauben am Chassis verschraubt ist. Löse sie und nimm den Filter ab. Du siehst die zwei Schläuche, die mit dem Filter verbunden sind: Der erste läuft von der Benzinpumpe zum Filter, der zwei vom Filter zum Motor. Drehe sie mit dem Steckschlüssel auf.

„Achtung! Hier liegt sehr viel Benzindruck an! Arbeite deshalb mit einem Lappen und einem Kübel.“

Mike the Mechanic

Nachdem du den Filter gewechselt hast, verbinde die Schläuche wieder richtig mit dem Ölfilterdeckel.

Abnahme des Benzinfilters

18. Luftfilterkasten abnehmen

Der Luftfilter reinigt die Luft, die der Motor ansaugt, damit der Verbrennungsprozess optimal ablaufen kann. Im Laufe der Zeit setzt der Filter sich zu, und als Folge kommt weniger Luft in den Motor. Deshalb steht nun der Wechsel des Luftfilters auf dem Plan.

Dafür baust du erst den Luftfilterkasten ab. Dafür musst du insgesamt 6 Clips lösen: 4 Clips befinden sich direkt am Kasten, 2 weitere am Ansaugschlauch des Motors. Das kann etwas knifflig sein, aber mit Fingerspitzengefühl bekommst du das hin.

Luftfilterkasten wird abgenommen

19. Alten Filter ausbauen

Öffne den Luftfilterkasten und entferne den alten Filter. Dies ist nicht schwer, da der rechteckige Einsatz einfach nur eingelegt ist.

Luftfilter aus dem Passat ausbauen

20. Neuen Filter einsetzen

Gleich hast du es geschafft. Setze den neuen Luftfilter ein, verschließe den Luftfilterkasten und befestige ihn wieder mit den 6 Clips an seinem angestammten Platz im Motorraum. Der alte Luftfilter wird entsorgt.

neuer Luftfilter eingesetzt

21. Kontrolle

Fertig? Gut! Aber noch geht es nicht zur Probefahrt. Lass den Wagen erst 10 Minuten im Stand laufen um zu kontrollieren, ob alles passt. Tritt irgendwo Flüssigkeit aus? Gibt es ungewöhnliche Geräusche?

Bei ungewöhnlichen Geräuschen den Motor sofort wieder ausstellen und die Ursache suchen.

Wenn es noch nicht rund läuft kann es sein, dass sich zu wenig Motoröl im Motor befindet. Führe in diesem Fall noch einmal einen Öldruckstart durch.

22. Probefahrt

Es tropft nichts, und der Motor schnurrt wie ein Kätzchen? Dann ist es endlich soweit: Es geht los zur Probefahrt!

Gib nicht gleich Vollgas, sondern beginne ganz entspannt für den Fall, dass doch noch nicht alles passt.

Alles gut gegangen? Dann hast Du es geschafft und bist bereit für den Sommer.

Fertig!


Nach fest kommt ab! Daher besser nichts zu fest anschrauben.

Mike the Mechanic